Ergänzung zu MODELL_C_MORGEN · Stand 3. August 2026
MORGEN besitzt nichts und verbindet alles. Das klingt einfach und ist es an einer Stelle auch: Welle 1 ist fast vollständig ohne Partner baubar, weil der Nutzer seine Daten selbst mitbringt.
An zwei anderen Stellen ist es schwieriger als erwartet — die elektronische Patientenakte ist versperrt, und der naheliegende Weg zur Apotheke führt in eine Technik, die 2026 abgeschaltet wird.
Kurzantworten
Deutlich weniger, als es aussieht. Wearables vollständig — über einen Aggregator. Labor, Termine und Apotheke nur teilweise und meist ohne Schnittstelle. Die ePA nur als zugelassener Akteur in der Telematikinfrastruktur, für uns also gar nicht.
Für den Eingang fast nie — der Nutzer bringt seine Daten mit, wir brauchen nur seine Zustimmung. Für den Ausgang ja, aber schlanke Verträge ohne Umsatzbeteiligung. Sechs von sieben Startbausteinen brauchen keine Verhandlung.
Kein eigenes. Wir sind OAuth-Client gegenüber den Quellen, niemals Identitätsanbieter für Partner. Ab Welle 2 die GesundheitsID als zusätzlichen Anmeldeweg — nie als einzigen.
Nein. Es überträgt sich nicht, und der Grund ist Arithmetik: Bei 179 € Jahresbeitrag frisst eine einzige vermittelte Physiositzung den Jahresertrag eines Mitglieds.
Schichtenbild
Die vierte Ebene sieht aus wie eine Randnotiz und ist die eigentliche Architekturentscheidung. Sie unterscheidet MORGEN von Wellpass, von Function Health und von jedem Marktplatz.
Der Nutzer verbindet jede Quelle einzeln und trennt sie einzeln. Deshalb braucht diese Ebene fast keine Partnerschaft — nur eine Zustimmung. Das ist zugleich die datenschutzrechtlich sauberste Konstruktion, die es hier gibt.
Der einzige Teil, den wir selbst bauen — und der gesamte Eigenwert des Unternehmens. Rohdaten zusammenzuführen ist inzwischen Massenware; der Wert liegt in der Deutung. Genau die ist nicht zukaufbar.
Weiterleitung statt Vermittlung gegen Entgelt. Der unterschätzte Baustein ist nicht die Buchung, sondern die Terminvorbereitungs-Unterlage: eine Seite mit Verlauf, offenen Fragen und Medikation, die der Nutzer mitnimmt. Sie kostet fast nichts und ist der beste Türöffner für Partnerverträge, den wir haben.
Der Nutzer zahlt jeden Partner direkt, zum Preis des Partners. Wir fassen fremdes Geld nie an. Damit entfallen Auslastungsrisiko, Vorfinanzierung, Preisverhandlungen über Einzelleistungen und die Pflichten eines Zahlungsdienstleisters. Und die Empfehlung bleibt glaubwürdig, weil an ihr niemand verdient.
Warum Ebene 4 die wichtigste ist: Jedes Modell, das fremdes Geld einsammelt und weiterverteilt, übernimmt damit Auslastungsrisiko. Genau daran sind Forward Health mit über 650 Millionen Dollar und Modern Age gescheitert — beide hatten Nachfrage, aber nie tragfähige Stückkosten. Wer nichts besitzt und nichts vorfinanziert, kann diesen Fehler nicht machen.
Anschlusskatalog
Die Zeile, die überrascht: Sechs der sieben Bausteine für Welle 1 brauchen keine einzige Partnerschaft.
| Quelle | Nutzen | Aufwand | Partner nötig | Welle | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| Welle 1 — ohne Verhandlungen baubar | |||||
| Wearables über Aggregator | hoch | gering | nein | 1 | Thryve (Berlin, Infrastruktur zu 100 % in Deutschland). Nicht selbst bauen — neun Hersteller-APIs binden eine Stelle auf Jahre |
| Laborbefund hochladen | sehr hoch | mittel | nein | 1 | PDF oder Foto auslesen, Werte im Verlauf führen. Hier liegt die MDR-Grenze |
| Terminverlinkung | hoch | sehr gering | nein | 1 | Tiefe Verlinkung statt Integration — Doctolib und andere haben keine offene Endkunden-API |
| Vorbereitungsunterlage | sehr hoch | gering | nein | 1 | Der unterschätzte Baustein. Türöffner für Partnerverträge |
| Erstattungslandkarte | hoch | redaktionell | nein | 1 | Welche Kasse zahlt was. Kein Anschluss, gepflegtes Wissen |
| Impfpass, Medikation | mittel | gering | nein | 1 | Selbstangabe, reicht für Erinnerungen |
| Regionales Partnernetz | hoch | Vertragsarbeit | ja | 1 | 6–12 Partner in einer Region, nicht hundert |
| Welle 2 — wenn Welle 1 trägt | |||||
| GesundheitsID als Anmeldung | mittel | mittel | nein | 2 | Ersetzt ab 2026 die eGK als Versicherungsnachweis; über EUDI-Wallet europäisch interoperabel |
| Kalenderabgleich bei Partnern | mittel | mittel | ja | 2 | Nur bei eigenen Vertragspartnern |
| Rückkanal vom Partner | hoch | mittel | ja | 2 | Kurzbericht, nur mit Freigabe des Nutzers |
| Welle 3 — oder nie | |||||
| Elektronische Patientenakte | hoch | sehr hoch | Zulassung | 3 | Versperrt. REST- und FHIR-Schnittstellen existieren, aber Zugriff verlangt Zulassung als TI-Akteur. Beobachten: PoPP und GesundheitsID 3.0 |
| E-Rezept, Apotheke | mittel | hoch | ja | 3 | CardLink jetzt nicht anfassen — Lizenzen laufen 2026 aus, war von Beginn an Brückentechnik. Auf PoPP warten |
| Direktanbindung Labore | hoch | hoch | ja | 3 | Keine allgemeine API. Je Labor eine eigene Verhandlung |
| Telemedizin | mittel | mittel | ja | 3 / nie | Verwischt die Grenze zwischen Einordnung und Behandlung — und rückt uns näher an den Medizinproduktstatus |
Auf schmalen Fenstern lässt sich die Tabelle seitlich schieben. Herleitung in MORGEN_OEKOSYSTEM.md.
Anmeldung
Die Frage wird meistens als eine gestellt und ist in Wahrheit drei. Nur die erste wird zum Start gebraucht.
Der Nutzer meldet sich bei Garmin, Fitbit oder Oura an und erteilt uns Leserechte. Wir speichern ein widerrufbares Token, nie Zugangsdaten. Über den Aggregator laufen alle Verbindungen durch eine Implementierung.
E-Mail mit Einmalcode, dazu Apple und Google für Bequemlichkeit. Ab Welle 2 zusätzlich die GesundheitsID — der De-facto-Anmeldeweg im deutschen Gesundheitswesen. Nie als einzigen Weg, sonst sperrt man Privatversicherte aus.
Physiotherapeuten sollen sich nicht „mit MORGEN anmelden". Das erzeugt Betriebsaufwand, Haftungsfragen und ein Vertrauensproblem — ohne einen einzigen Nutzen für den Nutzer.
Was es stattdessen braucht, ist mehr wert als jedes SSO: eine Zustimmungsverwaltung je Quelle. Pro Verbindung sichtbar, was gelesen wird, seit wann und wofür — mit einem Schalter zum Trennen und dem sofortigen Löschen der bereits übertragenen Daten. Das ist genau das, was auf der Kundenseite versprochen wird, und es ist in wenigen Tagen gebaut.
Die Wellpass-Frage
EGYM Wellpass hat über 10.000 Partnereinrichtungen im deutschsprachigen Raum, Wellhub hat Urban Sports Club übernommen. Das Modell funktioniert — unter vier Voraussetzungen, von denen bei MORGEN keine erfüllt ist.
Die einzige Ausnahme, die zu prüfen wäre: Ein reines Bewegungsangebot mit niedrigen Einzelkosten könnte später pauschal funktionieren. Dann kauft man es aber besser bei Wellpass ein, statt es nachzubauen — und nicht vor Jahr 3.
Partnerschaften
Aggregator, Hosting, Texterkennung. Normaler Einkauf mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Austauschbarkeit vertraglich sichern: Export in offenem Format, keine Laufzeit über zwölf Monate. Ein Aggregator, den wir nicht wechseln können, ist ein Risiko an der Wurzel des Produkts.
Physiotherapie, Ernährungsberatung, Sportmedizin, Labore, Studios. Vertrag bewusst zwei Seiten: Aufnahmekriterien, Terminzusage binnen 14 Tagen, Bereitschaft zur Vorbereitungsunterlage, keine Vergütung in beide Richtungen, vier Wochen kündbar, Nennung auf der öffentlichen Partnerliste.
Vergütung nach Zeit, nie nach Leistungsmenge — sonst entsteht ein Anreiz zu mehr Diagnostik. Der Arzt liquidiert eigene Leistungen selbst, die Gesellschaft macht Organisation und Technik.
Kassen, Betriebe, Versicherer als Zugangskanal. Vorsicht: Sobald ein Arbeitgeber mitbezahlt, gelten Mitbestimmung und Beschäftigtendatenschutz — dann ist es DEKADE, nicht MORGEN. Diese Grenze nicht verwischen.
Zuweisung gegen Entgelt ist berufs- und strafrechtlich problematisch — § 31 MBO-Ä sowie §§ 299a und 299b StGB. Das Verbot ist damit nicht nur die Bedingung dafür, dass unsere Empfehlung etwas wert ist, sondern auch die einzige rechtssichere Konstruktion. Bei Marktplatzmodellen im Gesundheitsbereich wird dieser Punkt regelmäßig unterschätzt.
Wellenplan
Jede Welle hat eine Kennzahl, die vor der nächsten erreicht sein muss. Welle 3 ist verlockend, weil sie nach Fortschritt aussieht — und kostet Monate.
Aufwandsverteilung
Die Anbindungen sind das, was man auf der Website sieht. Sie sind unter einem Zehntel des Aufwands. Zwei Drittel fließen in Dinge, die niemand sonst hat.
Grobe Schätzung für Welle 1, im Bau zu prüfen. Der Punkt ist das Verhältnis, nicht die Nachkommastelle.
Entscheidungen
| Entscheidung | Empfehlung | Frist | |
|---|---|---|---|
| 1 | Aggregator zukaufen oder selbst bauen? | Zukaufen — Thryve, deutsche Infrastruktur, mit Ausstiegsklausel | vor Baubeginn |
| 2 | Pauschalmodell nach Wellpass-Art? | Nein. Nutzer zahlt Partner direkt | endgültig |
| 3 | Eigenes SSO? | Nein. OAuth-Client bei den Quellen, GesundheitsID ab Welle 2 | endgültig |
| 4 | ePA in Welle 1? | Nein. Quartalsweise beobachten — PoPP und GesundheitsID 3.0 | Prüfung je Quartal |
| 5 | CardLink integrieren? | Nein — Lizenzen laufen 2026 aus | endgültig |
| 6 | Wie viele Partner zum Start? | 6–12 in einer Region. Nicht in die Breite | Welle 1 |
| 7 | Startregion | Stuttgart — dort sitzt der ärztliche Partner | sofort |
| 8 | MDR-Grenze im Interface | Fachanwaltlich prüfen, bevor die Laborauslesung gebaut wird | Gate 0 |
Preisänderung oder Ausfall trifft das Kernversprechen. Gegenmaßnahme: Ausstiegsklausel, eigene Datenhaltung im Normalformat, keine anbieterspezifischen Felder im Datenmodell.
Änderungen an HealthKit oder Health Connect sind nicht verhandelbar. Gegenmaßnahme: keine Funktion, die ohne Wearable-Daten unbrauchbar wird.
Fällt er aus, fällt Ebene 3. Gegenmaßnahme dieselbe wie bei DEKADE und OKTAN: Ein zweiter Arzt ist keine Wachstums-, sondern eine Überlebensbedingung.
Worauf sich alles reduziert
Das Ökosystem ist in Welle 1 fast vollständig ohne Partner baubar — weil der Nutzer seine Daten selbst mitbringt.
Und es wird nur dann etwas wert, wenn wir an keiner einzigen Stelle darin verdienen.
Alles andere auf dieser Seite sind Ausführungsbestimmungen dazu. Die vollständige Herleitung steht in MORGEN_OEKOSYSTEM.md.