Stand 3. August 2026 · 47Nord Media GmbH
DEKADE, OKTAN und MORGEN greifen dieselbe Sache von drei Seiten an: gesunde Jahre. Sie unterscheiden sich in dem, was zählt — wer zahlt, wofür bezahlt wird und was den Anbieter zuerst umbringt.
Diese Seite stellt sie gegenüber, damit die Entscheidung nicht an der Sympathie für eine Idee hängt, sondern an den vier Zahlen, die sie unterscheiden.
Kurzbild
Der Arbeitgeber kauft weniger Fehltage. Ärztlich geführt, nur belegte Maßnahmen, tägliche Begleitung der Belegschaft — und die Hälfte des Honorars erst bei nachgewiesener Wirkung.
Der Einzelne kauft Einordnung. Ein Zonensystem trennt Belegtes von Neuem und Experimentellem — und steuert, was überhaupt buchbar ist. Ohne Produktverkauf, ohne Provisionen.
Der Einzelne kauft Überblick. Verbindet Labor, Wearable, Ärztin, Physio und Apotheke zu einem Ort — und macht daraus jeden Morgen zwei bis drei Schritte. Besitzt selbst nichts.
Die Matrix
Die Zeilen, in denen sich die Modelle wirklich unterscheiden, stehen oben. Die weiter unten sind interessant, aber selten entscheidend.
| Merkmal | DEKADEB2B, Belegschaft | OKTANPremium, Führung | MORGENEndkunde, Alltag |
|---|---|---|---|
| Das Entscheidende | |||
| Wer zahlt | Arbeitgeber aus dem Personalkostenbudget | Überwiegend der Nutzer, Arbeitgeber zahlt nur den Einstieg | Der Nutzer allein, keine Erstattung |
| Kaufgrund | Muskuloskelettale Fehltage — der einzige Bereich, in dem der Arbeitgeber eigenes Geld spart | Zugang, Kontrolle, Belastbarkeit — und die Gesundheit von Schlüsselpersonen | Überblick und tägliche Entscheidungsentlastung |
| Was verkauft wird | Ein Versorgungspfad plus tägliche Begleitung | Die Einordnung selbst — kuratierter Zugang mit sichtbarer Evidenzstufe | Zusammenführung vorhandener Dienste zu einem Ort |
| Preis | 8–38 € je Kopf/Monat · Pilot 18.000–32.000 € | 79–149 €/Monat · Executive 2.400–6.000 €/Jahr | 0 € · 179 €/Jahr · 279 €/Jahr Familie |
| Deckungsbeitrag | Assessment ~40 %, Abo ~85 % | 55–65 %, arztzeitbegrenzt | ≈ 76 € Jahr 1, ≈ 98 € danach je Mitglied |
| Gate 0 | Steuerliche Einordnung und ärztlicher Vertrag | Versicherbarkeit — negativ heißt No-Go | MDR-Abgrenzung nach Regel 11 |
| Verdikt | Conditional Go | Pivot | Go, als drittes |
| Markt und Vertrieb | |||
| Zielgruppe | Produktion, Logistik, Pflege, Handwerk · 150–800 Beschäftigte · Region Stuttgart | Software, Beratung, Finanzen · Führungsebene im Mittelstand | Alle, die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen wollen — ohne medizinischen Anlass |
| Marktgröße | klein und benennbar | sehr klein, sehr zahlungskräftig | groß, geringe Zahlungsbereitschaft je Kopf |
| Vertriebszyklus | 5–9 Monate bis zum Pilotstart | 4–10 Wochen | Tage — dafür Gewinnungskosten je Kunde |
| Erster Kanal | Betriebsärzte, dann kostenlose Fehlzeiten-Einschätzung | Das eigene Netz des Arztes | Erst organisch, keine bezahlte Gewinnung vor der ersten D90-Zahl |
| Produkt | |||
| Diagnostik | Eigene Erhebung im Betrieb, nur mit Handlungskonsequenz | Eigenes kuratiertes Laborpaket | Vermittelt, nie selbst — der Nutzer zahlt direkt beim Anbieter |
| Evidenzregel | Nur Klasse A und B; C nur unter vier Auflagen; D und E ausgeschlossen | Green und gekennzeichnet Emerging; Experimental wird gar nicht angeboten | Nur Belegtes; keine Deutung von Werten in der App |
| Tägliche Begleitung | Bei allen dreien identisch: zwei bis drei Schritte, eines als Mindestmaß, selbst setzbare Modi (krank, Urlaub, belastet, Schicht), keine Serien, keine Ranglisten, harte Stoppregeln im Code. Das ist der geteilte Kern. | ||
| Vermögenswerte | Assessment-Ausrüstung und Personal | Diagnostik-Partner, Erlebnisformate | Keine. Genau daran sind Forward, Modern Age und die Supplement-Anbieter gescheitert |
| Risiko | |||
| Regulatorisches Hauptrisiko | § 3 Nr. 34 EStG trägt den ärztlichen Teil vermutlich nicht · § 87 BetrVG kostet 6–16 Wochen | GenDG § 19/§ 20 versperrt Genetik im Beschäftigtenkontext, § 25 stellt Verwendung unter Strafe · HWG § 3/§ 11 | MDR Regel 11 — deuten statt anzeigen macht daraus ein Medizinprodukt Klasse IIa |
| Skalierungsgrenze | Bei allen dreien dieselbe: ärztliche Zeit. Ohne einen zweiten Arzt bis Ende Jahr 2 ist keines der drei Modelle skalierbar — das ist keine Wachstums-, sondern eine Überlebensbedingung. | ||
| Wahrscheinlichster Todesgrund | Kein Pilot geht in eine Verlängerung über — der Kaufgrund trägt nicht | Keine Berufshaftpflicht, oder ein Reputationsvorfall mit medizinischem Bezug | Der Mensch wird wegoptimiert — bessere Marge, Retention einer Tracking-App |
| Kill-Kennzahl | 90-Tage-Nutzung < 25 % | Verlängerungsquote < 50 % · Upgrade-Konversion < 5 % | D90 < 15 % · Frei→Plus < 3 % |
Auf schmalen Fenstern lässt sich die Matrix seitlich schieben. Belege und Herleitung stehen in den drei Einzelberichten.
Gemeinsamer Kern
Der Grund, warum drei Modelle überhaupt bezahlbar sind: Sie unterscheiden sich in Ansprache, Preis und Vertrieb — aber nicht in dem, was technisch darunter liegt.
Nicht wegen der Zielgruppen — die überschneiden sich. Sondern weil die Qualitätsversprechen unvereinbar sind: Wer bei derselben Marke eine Kältekammer buchen kann, glaubt DEKADEs Ausschlussliste nicht mehr.
OKTAN gewinnt durch die Nähe zu DEKADE Glaubwürdigkeit. DEKADE verliert durch die Nähe zu OKTAN genau die Eigenschaft, die es verkäuflich macht. Deshalb getrennt — und im Konfliktfall gewinnt DEKADE.
Wer drei getrennte Produkte baut, kann sich drei Marken nicht leisten. Wer eine Engine baut und dreimal anders einkleidet, schon. Das ist die technische Voraussetzung der ganzen Architektur.
Das Geld
Die Balken zeigen den ungefähren Jahresdeckungsbeitrag je zahlender Einheit. Sie sind nicht direkt vergleichbar: bei DEKADE ist eine Einheit ein Unternehmen, bei den anderen ein Mensch.
Das erklärt die Reihenfolge weiter unten. OKTAN bringt am schnellsten Geld bei kleinstem Bauaufwand, DEKADE den größten Einzelbetrag bei längstem Zyklus, MORGEN den kleinsten Betrag je Kopf bei größtem Markt — und braucht deshalb als einziges eine funktionierende Gewinnungsrechnung.
Alle Werte sind Hypothesenkorridore aus den drei Berichten, keine gemessenen Größen. Sie dienen dem Größenvergleich, nicht der Planung.
Gates
Jede davon ist in zwei bis vier Wochen beantwortbar, und jede kann ihr Modell allein zu Fall bringen. Sie kosten zusammen weniger als ein Monat Produktarbeit.
Deckt § 3 Nr. 34 EStG den ärztlichen Teil? Für betriebsinterne Kurse besteht mangels Kassenbeteiligung gar keine Zertifizierungsmöglichkeit; es greift nur die Ausnahme des BMF-Schreibens vom 20.04.2021. Parallel: ärztlicher Partner vertraglich gebunden, inklusive Aufbau eines zweiten Arztes.
Steuerberatung · 2–4 Wochen
Gibt es eine Berufshaftpflicht, die dieses Angebot in der beschriebenen Form deckt? Fällt die Antwort negativ aus, ist OKTAN in jeder Variante ein No-Go. Diese Frage steht vor Marke, Produkt und Vertrieb — und ist die härteste einzelne Bedingung aller drei Modelle.
Spezialisierter Makler · 2 Wochen
Wo verläuft die Linie zwischen „anzeigen" und „interpretieren"? Einen Laborwert mit Referenzbereich zeigen ist zulässig, ein farbiges „erhöhtes Risiko" wäre es nicht. Die Antwort entscheidet über den Produktstatus und ist im Interface exakt umzusetzen.
Fachanwalt Medizinprodukterecht · 3–4 Wochen
Hinzu kommt für alle drei dasselbe: Marken- und Domainrecherche (DPMA Klassen 41/42/44) — alle drei Namen sind bislang ungeprüfte Arbeitstitel.
Reihenfolge
Alle drei gleichzeitig zu starten ist der wahrscheinlichste Fehler. Die Reihenfolge folgt nicht aus der Attraktivität, sondern daraus, wo die gemeinsame Engine am günstigsten entsteht.
Braucht kein Produkt, keinen Betriebsrat und keine Skalierung — nur den Arzt und ein Dashboard. Erzeugt früh Umsatz, finanziert die Entwicklung und erprobt die Personalisierungslogik an fünfundzwanzig Menschen, bevor sie an dreihundert ausgerollt wird.
Startet, sobald die Routinen-Engine aus Phase 1 steht. Der lange Vertriebszyklus läuft ohnehin im Hintergrund — deshalb früh beginnen, aber nicht zuerst bauen. Misst als Erstes die 90-Tage-Nutzung, nicht die Zufriedenheit.
Das Modell mit dem größten Markt und der schwächsten Zahlungsbereitschaft je Kopf. Es lohnt erst, wenn die Engine bezahlt ist. Wer MORGEN zuerst startet, baut die teuerste Version desselben Kerns — und muss die Nutzergewinnung finanzieren, bevor er weiß, wie lange ein Kunde bleibt.
Erst dann liegen die Zahlen vor, die heute fehlen: Nutzungsdauer, Verlängerungsquote, Upgrade-Konversion, ärztliche Zeit je Fall. Bis dahin ist jede Entscheidung für „das beste Modell" eine Meinung.
Fazit
Nicht weil es das beste Modell ist — es hat als einziges ein Pivot-Verdikt. Sondern weil es am schnellsten Geld bringt, am wenigsten Bauaufwand erfordert und dabei genau den Teil erprobt, den die anderen beiden später brauchen. Es ist der günstigste Weg, die teuerste Frage zu beantworten: Bleiben Menschen bei einer täglichen Begleitung?
Bei allen dreien dieselbe: die 90-Tage-Nutzung. Reine Tracking-Angebote liegen unter 10 %, begleitete bei 20–35 %. Darunter ist keines der Modelle ein Geschäft — darüber sind alle drei eines.
Ein zweiter Arzt bis Ende Jahr 2. Ohne ihn ist keines der drei Modelle skalierbar, sondern bestenfalls eine gut bezahlte Einzelpraxis mit App.
Es ist wahrscheinlicher, dass zwei der drei Modelle in vierundzwanzig Monaten eingestellt sind, als dass alle bestehen. Die Architektur ist so gebaut, dass das kein Scheitern ist, sondern der geplante Ausgang eines Versuchs mit drei Armen.
Die vollständigen Berichte
13 Kapitel · Evidenzmatrix A–E · Ausschlussliste · drei Geschäftsmodelle · Governance · Pilot · Kill Criteria
15 Kapitel · Zonensystem · Trendranking über 25 Verfahren · Healthfluencer-Regelwerk · Regulatorik · zwei Piloten
US-Benchmark mit Friedhofsanalyse · Produktregeln aus Retention-Daten · MDR-Abgrenzung · Deckungsrechnung
Anschlusskatalog · SSO-Entscheidung · Wellpass-Rechnung · vier Partnerschaftstypen · Wellenplan · acht Entscheidungen
→ Architekturseite ansehen
Dazu MARKENARCHITEKTUR.md (warum drei Marken statt einer) und LIESMICH.md (Übersicht). Alle im Ordner ~/projects/longevity-business/zwei-modelle/.